~ Was ist eigentlich Borderline? ~
Der Begriff
Seine Wurzel hat der Begriff im Wesentlichen in der Psychoanalyse und in der klassischen Psychopathologie. In der klassischen psychiatrischen Krankheitslehre wurden seelische Krankheiten unten den Oberbegriffen organisch begründbare Erkrankungen, Geisteskrankheiten (die Psychosen), entwicklungsbedingte Erkrankungen (die Neurosen) und Persönlichkeitsstörung (Psychopathien) zusammengefasst. Bei den Psychosen wurden später noch die Schizophrenien von den manisch-depressiven Erkrankungen unterschieden. An dieser klassischen Unterteilung orientieren sich viele Psychiater bis heute. Da seelische Krankheiten sehr verschiedenartig sein können, fanden sich anhand dieser Unterteilung eine Reihe von Zwischenformen. So lag der Gedanke nahe, dass es auch zwischen den schizophrenen Psychosen und den Neurosen Zwischenformen gibt. Gerade in den siebziger und achtziger Jahren wurde der Borderline-Begriff als Sonderform der schizophrenen Psychose verstanden. Der Borderline-Begriff in der Psychoanalyse entwickelte sich aus einer differenzierten Betrachtung des Hysterie-Konzeptes. Durch den umgangssprachlichen Gebrauch des Wortes "Hysterie" wird dieser Begriff heute in der Fachwelt nur noch selten verwendet. Ursprünglich wurden damit vor allem Störungen benannt, die durch emotionale Konflikte ausgelöst werden. Ein weiterer Schwerpunkt psychoanalytischer Betrachtungen sind Vorstellungen, wie bei einem Menschen ein Bild von sich und anderen entstehen. Diese Überlegungen werden gemeinhin unter dem Begriff "Objekttheorie" oder "Ich-Psychologie" in der Fachwelt diskutiert. Auf der Grundlage der Psychoanalyse haben vor allem die Beziehungen zu den primären Bezugspersonen, also in der Regel Vater und Mutter, die größte Bedeutung. Aus diesen Überlegungen heraus entstand die Vorstellung, dass die Symptome der Borderline-Störung vor allem mit Unzulänglichkeiten bei der Entwicklung innerer und äußerer Objektbilder zu erklären seien. Da sich solche Störungen aber über einen längeren Zeitraum entwickeln und länger anhalten, begann man schließlich, die Borderline-Störung als Persönlichkeitsstörung zu sehen. Diese Sichtweise ist auch heute aktuell. Aus diesen Überlegungen lässt sich die sehr wechselhafte Geschichte des Borderline-Begriffes ersehen. Wenn ein Begriff aber für so viele und dabei noch recht unterschiedliche Phänomene verwendet worden ist, dann verliert ein Begriff auch etwas seine Erklärungskraft.
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