~ Lexikon ~
ADS = AufmerksamkeitsDefizitSyndrom oder der neuere Begriff:
ADHS = AufmerksamkeitsDefizit-/ HyperaktivitätsStörung
Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) nach DSM-IV ist neben aggressiven Verhaltensweisen das am häufigsten diagnostizierte Störungsbild des Kindes- und Jugendalters. Kernsymptome sind dabei Aufmerksamkeitsstörungen, Impulsivität und Hyperaktivität.
Die häufigen, jedoch ungenauen und widersprüchlichen Presseberichte zum Thema mystifizieren ADHS eher als darüber aufzuklären. Auch im wissenschaftlichen und politischen Sektor wird ADHS kontrovers diskutiert.
ADHS betrifft nach den Kriterien des DSM-IV ca. 4-8 % aller Schulkinder in Deutschland. Nimmt man die Bemessungsgrundlagen des ICD-10 für das Hyperkinetische Syndrom, so erhält man Schätzraten von 1-3 %. Rein rechnerisch bedeutet das, dass in jedem Klassenzimmer durchschnittlich etwa ein betroffenes Kind sitzt. Fest steht, dass Jungen gegenüber Mädchen deutlich häufiger von Symptomen betroffen sind, die meisten Studien geben das Verhältnis zwischen 3:1 und 9:1 an. Da bei Mädchen jedoch häufiger der unaufmerksame Typus auftritt und diese sich meist ruhiger und unauffälliger verhalten, kann man davon ausgehen, dass die "Dunkelziffer" der betroffenen Mädchen deutlich höher ist.
Die Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter wird mit zwischen 1,3 und 4,7 % angegeben (Quelle: Deutsches Ärzteblatt Ausgabe 37 vom 10. September 2004).
Was ist ADHS?
Heinrich Hoffmann beschrieb als erster in seinem Buch "Der Struwwelpeter" Mitte des 19. Jahrhunderts die Symptome von ADHS in seiner Schilderung vom Zappelphilipp und Hans Guck-in-die-Luft.
Die Kernsymptome von ADHS sind:
Aufmerksamkeitsstörungen (Vorzeitiger Abbruch von Tätigkeiten, insbesondere bei kognitiven Leistungen)
Impulsivität (Handeln ohne vorheriges Überlegen und Unfähigkeit, abzuwarten)
Hyperaktivität (Exzessive motorische Ruhelosigkeit)
Als Voraussetzung für die Diagnose ADHS müssen die Symptome mindestens seit sechs Monaten vorliegen und erstmals schon vor dem siebten Lebensjahr aufgetreten sein. Dabei müssen sie deutliche Beeinträchtigungen für das Leben der betroffenen Person mit sich bringen. Ein Ausschluss von möglichen anderen Störungen, welche die hyperkinetischen Symptome besser erklären würden, ist dabei unerlässlich. Es darf zum Beispiel keine tief greifende Entwicklungsstörung, eine Schizophrenie oder eine andere psychotische Störung vorliegen.
Der ICD-10 unterscheidet, für das Hyperkinetische Syndrom (HKS), eine "Einfache Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung" und die "Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens" bei zusätzlicher Störung des Sozialverhaltens.
Das Diagnostische Manual DSM-IV lässt eine differenziertere Diagnosestellung bei einer situationsübergreifenden Störung zu und unterteilt in drei ADHS-Erscheinungsbilder:
ADHS, kombinierter Typ (häufigste Erscheinungsform mit allen drei Kernsymptomen)
ADHS, vorwiegend unaufmerksamer Typ (primär Aufmerksamkeitsstörung, geringe Hyperaktivität und Impulsivität)
ADHS, vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ (primär Hyperaktivität und Impulsivität, geringe Aufmerksamkeitsstörung)
Neben den Kernsymptomen können verschiedene zusätzliche Auffälligkeiten auftreten, in klinischen Untersuchungen sind hyperkinetische Störungen ohne komorbide Störungen sogar die Ausnahme. Häufig sind dissoziale Verhaltensstörungen (bei mehr als 50 % aufgrund geringer Frustrationstoleranz durch erhöhte Impulsivität auch im affektiven Bereich), emotionale Störungen (z.B. Depressive Störungen, Angststörungen; diese sind erklärbar durch negative Rückmeldungen aller Art ab Kindergarten), Lernstörungen (in der Schule sind 80 % der Betroffenen mindestens zwei Noten schlechter als Durchschnitt), Tic-/Sprech-/Sprachstörungen und Beziehungsprobleme aller Art.
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