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 Betreff des Beitrags: Sonstiges
BeitragVerfasst: 14.05.2018, 00:41 
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Und was, wenn alle merken, dass ich gar nichts kann? – Über die Angst, nicht gut genug zu sein
von Sabine Magnet

Gehören Sie zu den Menschen, die zum Beispiel ein Projekt beenden und dafür ein Lob oder vielleicht sogar eine Gehaltserhöhung erhalten? Glauben sie gleichzeitig, dass der Erfolg nicht auf Ihren eigenen Fähigkeiten beruht, sondern lediglich auf „Glück“? Darüber hinaus haben Sie Angst, dass andere merken könnten, dass Sie völlig talentfrei sind? Dann leiden Sie vermutlich unter dem Impostor-Phänomen, das gar nicht so selten vorkommt, aber über das niemand gerne spricht.

Sabine Magnet, freiberufliche Journalistin und Autorin, hat sich in Ihrem Buch „Und was, wenn alle merken, dass ich gar nichts kann? – Über die Angst, nicht gut genug zu sein“ ausführlich mit eben diesem Phänomen befasst.
Ihr Werk gliedert sich in insgesamt sechs Kapitel, die in drei Themenbereiche eingeordnet sind: 1. Was ist das eigentlich?; 2. Warum ist das so? und 3. Und was nun?

In „Was ist das eigentlich?“ beschreibt sie umfassend, woran sich das Impostor-Phänomen erkennen lässt. Hauptsächlich ist hier zu nennen, dass Menschen, die darunter leiden, das Gefühl haben, ihre Leistungen seien nicht auf eigene Befähigungen zurückzuführen, sondern auf äußere Umstände. Begleitet wird dies von der Befürchtung, andere Menschen könnten merken, dass man eigentlich eine „Mogelpackung“ ist. Mit diesem Problem fühlen sie sich meist sehr alleingelassen.

Das Impostor-Phänomen (auch als „Hochstapeler-Syndrom“ bekannt) ist keine anerkannte Krankheit, und so wird sie zum Beispiel auch nicht in dem Klassifizierungssystem ICD-10 aufgeführt. Dennoch leiden Betroffene häufig nicht nur unter Ängsten, sondern auch an Schlafstörungen und Depressionen. Viele arbeiten entweder sehr hart, um nicht aufzufliegen, andere schieben Arbeiten auf (Prokrastination), in dem Sinne, „wenn ich es sowieso nicht kann, brauche ich auch gar nicht erst anzufangen“.
Das Phänomen tritt in allen Schichten der Gesellschaft auf. Oft zeigt es sich zum ersten Mal im Jugendalter und tritt bei etwa 70% der Menschen mindestens einmal auf.

Der zweite Teil des Werkes „Warum ist das so?“ zeigt auf, dass das Impostor-Phänomen sehr individuell ist, was die Ursachenforschung erschwert.
Die Autorin beschreibt, dass in der Regel ein Zusammenspiel zwischen Veranlagung, Umfeld und die gesellschaftliche Situation zu dem Phänomen führen. Sie beleuchtet dabei die einzelnen Faktoren; so sind viele Betroffene introvertiert (Veranlagung), wurden in ihren Familien als „Wunderkinder“, die nichts für gute Leistungen tun müssen, angesehen (Umfeld) und leiden unter Erfolgs- und Leistungsdruck (gesellschaftliche Situation).

In „Und was nun?“ stellt die Autorin sogenannte „Impostor-Hacks“ vor; Strategien, die es erleichtern sollen, mit dem Phänomen zu leben. Hier sind zwei Maßnahmen zentral. Zum einen, dass die Betroffenen über ihr Problem sprechen und zum anderen, sich Informationen einzuholen, auf welchen Denkmustern es beruht.
Des Weiteren stehen noch viele weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Zum Beispiel das Schreiben eines Erfolgstagebuches und mehr Akzeptanz für sich selbst zu entwickeln.
„Und was, wenn alle merken, dass ich gar nichts kann?“ kann schon deshalb als gelungenes Werk bezeichnet werden, da es Sabine Magnet mit Souveränität schafft, einem Phänomen auf den Grund zu gehen, das bisher nur wenig erforscht und beachtet wurde, obwohl es viele Menschen betrifft und für diese einen Leidensdruck bedeutet. So werden auch die anschaulich dargestellten Fallbeispiele viele Lesern aus der Seele sprechen. Betroffene werden in diesem Buch ernst genommen und bekommen Wege aufgezeigt, besser mit der Problematik umzugehen. Dabei gelingt es der Autorin die wissenschaftliche Forschung ausgehend von den 1960ern Jahren bis zum heutigen Zeitpunkt in ihre Ausführungen einfließen zu lassen. Ihr Stil bleibt dabei verständlich und angenehm lesbar.

Geeignet ist das Buch nicht nur für Betroffene und an psychologischen Themen Interessierten, sondern auch für Eltern, da Sabine Magnet eingehend beschreibt, welche Bedürfnisse bei Kindern befriedigt werden müssen, damit der Grundstein für die Entwicklung des Impostor-Phänomens nicht bereits in der Kindheit gelegt wird.
Insgesamt ist das Werk stimmig, informativ und interessant und damit eine klare Empfehlung wert.

erschienen im Januar 2018
mvgverlag
224 Seiten
ISBN-13: 978-3-86882-849-8
16,99€

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